Das Asylverfahren für Kinder
Als Kind kann dein Asylverfahren etwas anders ablaufen.
Es gibt besondere Schritte, damit du sicher bist und die Unterstützung bekommst, die du brauchst. Deine Vertretung wird dich begleiten und dir während des gesamten Verfahrens helfen.
Auf dieser Seite erfährst du, was passiert, nachdem du Asyl beantragt hast, und was die Behörden prüfen werden.
Du hast Asyl beantragt, was passiert nun?
Du wirst verschiedene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter treffen, wie z. B. die Bediensteten der Asylbehörden. Sie werden dir Fragen zu dir und deiner Reise nach Europa stellen. Denke daran, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dazu da sind, dich zu schützen und zu entscheiden, was für dich am besten ist. Du kannst den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern jederzeit mitteilen, was du denkst, was du brauchst und wie du dich fühlst. Deine Vertretung wird während des Verfahrens bei dir sein.
Alles, was du den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sagst, bleibt vertraulich. Das bedeutet, dass die Informationen, die du ihnen gibst, niemals an die Regierung deines Heimatlandes oder an die Personen, vor denen du Angst hast, weitergegeben werden.
Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssen dich respektvoll behandeln. Wenn sie das nicht tun, kannst du eine Beschwerde einreichen.
Eine Beschwerde ist, wenn du jemandem sagst, dass du mit der Art, wie du behandelt wurdest, oder mit einer Dienstleistung unzufrieden bist oder dass eine Dienstleistung für dich nicht erbracht wurde, obwohl du ein Recht darauf hast. Wenn du dir unsicher bist, was erlaubt ist und was nicht, frag eine vertrauenswürdige Behördenvertreterin oder einen vertrauenswürdigen Behördenvertreter, eine anwesende Rechtsanwältin oder einen anwesenden Rechtsanwalt oder deine Vertretung um Rat.
Was musst du über das Asylverfahren wissen?
Zunächst muss dein Antrag registriert und eingereicht werden.
Dein Antrag wird innerhalb von 5 Tagen registriert.
Du musst deinen Antrag dann innerhalb von 21 Tagen nach der Registrierung einreichen.
Deine Vertretung informiert dich über den Tag und die Zeit und begleitet dich zu den Behörden.
Wenn eine Person ohne Reisepass oder Visum einreist, fragen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nach ihrem Namen, ihrem Alter und ihrem Herkunftsort. Wenn du älter als 6 Jahre bist, wird auch ein Foto von dir gemacht und es werden deine Fingerabdrücke genommen.
Die Fotos und Fingerabdrücke, auch als biometrische Daten bezeichnet, werden in ein Computersystem eingegeben, das alle Informationen über die nach Europa einreisenden Personen enthält.
Mithilfe dieser Daten können die Behörden nachvollziehen, wer wo und wann ankommt, aus welchen Gründen die Person reist und ob sie schon mal in Europa war.
Arbeite stets mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zusammen und lass dich von ihnen fotografieren und deine Fingerabdrücke nehmen. Wenn du dich weigerst, kann dies zu Verzögerungen führen oder den Eindruck erwecken, dass du kein Asyl mehr beantragen möchtest.
Dein Foto und deine Fingerabdrücke können auch bei der Suche nach Angehörigen helfen, falls du hier Familie hast. Erfahre hier mehr darüber, wie du deine Familie finden kannst.
Nachdem du deinen Antrag eingereicht hast, wirst du möglicherweise zu einer oder mehreren persönlichen Anhörungen eingeladen.
Das bedeutet, dass dir weitere Fragen gestellt werden, warum du dein Land verlassen hast und warum du nicht zurückkehren möchtest.
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind dafür ausgebildet und bemühen sich darum, dass du dich wohl fühlst. Sie versuchen, deine Wünsche, Bedürfnisse und Anliegen zu berücksichtigen, bevor sie wichtige Entscheidungen treffen. Sie informieren sich auch über dein Land, um deine Situation besser einzuschätzen.
Wenn die Behörden dich zu einer Anhörung auffordern, musst du hingehen und alles erzählen, woran du dich erinnern kannst. Es wird eine Tonaufzeichnung deiner persönlichen Anhörung gemacht.
Deine Vertretung wird dir mitteilen, wann und wo die Anhörung stattfindet, und dich während der Anhörung unterstützen.
Nach der Anhörung wird alles, was du gesagt hast, geprüft. Das Warten kann schwierig sein, aber sei geduldig. Die Behörden möchten die richtige Entscheidung für dich treffen. Du kannst dich jederzeit an deine Vertretung wenden, wenn du Hilfe benötigst, um die Wartezeit zu bewältigen.
Wie werden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dein Alter bestimmen?
Sag den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern immer dein wahres Alter. Wenn du keine Dokumente zum Nachweis deines Alters hast und die Behörden Zweifel an deinem Alter haben, können die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Asylbehörden dich zu einer Altersbestimmung auffordern. Hier wird beschrieben, wie dein Alter geschätzt werden kann.
Wenn du gebeten wirst, bei einer Altersbestimmung mitzumachen, erklärt dir deine Vertreterin bzw. dein Vertreter, wie das abläuft.
Das Alter kann beispielsweise aufgrund der von dir eingereichten Unterlagen oder in Gesprächen mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern oder verschiedenen Fachleuten geschätzt werden. Wenn noch Zweifel bestehen, kann es sein, dass du eine ärztliche Untersuchung machen musst. In diesem Fall werden du und deine Vertretung gebeten, dies zu akzeptieren.
Wenn die Altersbestimmung ergibt, dass du älter als 18 Jahre bist, wirst du als volljährig angesehen. In diesem Fall erhältst du weitere Informationen.
Wie wird das Kindeswohl geprüft?
Erwachsene, die Kinder betreuen, wie Eltern oder Vertretungen, sollten dich stets an erste Stelle setzen. Jedes Kind hat ein Recht auf ein sicheres und gesundes Leben, Nahrung, Schule, Spielzeit und eine liebevolle Familie.
Die Menschen, die sich um dich kümmern, auch die Behörden, die Entscheidungen für dich treffen, sollten deine Hoffnungen und Ängste berücksichtigen. Das Kindeswohl zu berücksichtigen bedeutet, die besten Entscheidungen zu treffen und die besten Lösungen zu finden, damit ein Kind sicher, glücklich und gesund ist.
Eine Beurteilung des Kindeswohls ist ein Gespräch, bei dem dir ein speziell ausgebildeter Mitarbeiter bzw. eine speziell ausgebildete Mitarbeiterin aufmerksam zuhört und Fragen stellt, um:
- deine Bedürfnisse zu verstehen,
- zu verstehen, welche Unterstützung du brauchst.
Was du ihnen sagst, hilft ihnen, wichtige Entscheidungen zu treffen. Dabei stehen deine Sicherheit, dein Wohlbefinden und deine Zukunft im Vordergrund.
Manchmal dient das, was ein Kind zu einem bestimmten Zeitpunkt möchte, nicht seinem Wohl.
- welche medizinische Versorgung wichtig für dich ist.
- wo du wohnen wirst.
- welche Schule oder Arbeit für dich geeignet ist.
- wer sich um dich kümmern wird.
Informiere während der Beurteilung den Mitarbeiter bzw. die Mitarbeiterin, wenn
- du dich krank, traurig oder besorgt fühlst oder jemand dich verletzt hat.
- du Familie in Europa hast.
- du mit Angehörigen angekommen bist, sie dich aber nicht unterstützen können oder wollen.
Du kannst der Pflegekraft, dem Arzt oder der Ärztin, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und deiner Vertretung vertrauen.
Du kannst ihnen alles sagen. Das, was du sagst, wird nicht an andere Personen weitergegeben, wenn du es nicht willst (außer deiner Vertretung). Die einzige Ausnahme ist, wenn dein Leben oder das Leben einer anderen Person in Gefahr ist.
Wenn du nicht willst, dass deine Vertreterin bzw. dein Vertreter informiert oder einbezogen wird, sag es bitte den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.
Sie werden deinen Wunsch prüfen und dann entscheiden, was für dich am besten ist.
Wie kannst du weitere Informationen über das Asylverfahren bekommen?
Neben deiner Vertretung gibt es auch Personen, die dir rechtliche Auskünfte über das Asylverfahren, deine Rechte und deine Pflichten geben können. Frag deine Vertretung, wie du mit der Person Kontakt aufnehmen kannst.
Ein Rechtsberater bzw. eine Rechtsberaterin kann dir gemeinsam mit deiner Vertretung dabei helfen:
- dich auf das Gespräch mit den Behörden vorzubereiten
- mit Asylbeamtinnen und -beamten zu sprechen
- die Entscheidung über deinen Asylantrag und deinen Rechtsbehelf zu verstehen, wenn du oder deine Vertretung mit der Entscheidung nicht einverstanden seid.
Was möchtest du als Nächstes wissen?
Du kannst mehr darüber erfahren, wer deine Vertretung ist oder wie du deine Familie finden kannst.